Sendehalle Europe 1, Archivbild

Ein Stück europäische Rundfunkgeschichte

Die Geschichte der Sendeanlage zwischen Berus und Ittersdorf beginnt in den 1950er Jahren.
Das Saarland hatte zu dieser Zeit einen Sonderstatus und eine damit verbundene Eigenstaatlichkeit.
In Deutschland und Frankreich wurden öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten aufgebaut, da private Radio- und Fernsehsender noch nicht erlaubt waren. In den kleineren Nachbarstaaten wie Luxemburg, Monaco und dem autonomen Saarland entstanden private Sendeanstalten.

Die Betreiber von Europe 1 hatten ehrgeizige Pläne und wollten mit dem französischen Staatsrundfunk um die Gunst des französischen Publikums konkurrieren. Als Gegenleistung für die Sendeerlaubnis sollEurope 1te zusätzlich ein deutschsprachiges Fernsehprogramm produziert werden.
Von 1956 bis 1958 sendete Telesaar als der erste deutschsprachige Privatsender.
Die ehrgeizigen Pläne sollten sich auch in der Bauweise der Sendehalle widerspiegeln. Einige hundert Meter von der französischen Grenze entfernt sollte eine Sendeanstalt entstehen, von der aus sowohl Radio als auch Fernsehen gesendet werden konnte. Büroräumlichkeiten, sowie Studios sollten dort ebenfalls entstehen. 

Als einer der ersten Architekten entwarf Jean-François Guédy (1908–1955) eine verglaste Halle mit der Besonderheit, dass es sich dabei um eine freitragende Halle aus Beton handeln sollte. Das Dach sollte dabei von Pfeilern, die in regelmäßigen Abständen die gläserne Front unterbrechen und fächerartigen Streben getragen werden. Das Gebäude erinnert mit seiner Form an eine Jakobsmuschel. 

Europe 1Am 15. Juni 1954 fand die Grundsteinlegung statt. Während der Bauarbeiten entstanden im September desselben Jahres irreparable Risse im Dach, sodass sich die Fertigstellung der Sendehalle verzögerte. Gegenüber dem Architekten wurden daraufhin Vorwürfe laut, sodass dieser sich kurz darauf das Leben nahm. 

Nach dem Tod von Guédy übernahm Eugène Freyssinet (1879-1962) die architektonische Leitung des Bauvorhabens. Er überarbeitete die ursprünglichen Pläne und verstärkte die Dachkonstruktion, sodass der Bau fortgesetzt werden konnte. Das ikonische Design der Sendehalle wurde so gerettet und konnte umgesetzt werden. 

Der Sendebetrieb konnte mit einiger Verzögerung zum 1. Januar 1955 aufgenommen werden. Die Radiosendungen wurden jedoch nicht in der Sendehalle selbst produziert, sondern in Paris. Per Kabel wurden die fertigen Beiträge zur Sendeanlage gesendet und von dort ausgestrahlt. Europe 1

Bis Ende 2019 sendete Europe 1 vom Standort des ehemaligen Senders in Berus. Zuletzt wurde jedoch nicht mehr die monumentale Sendehalle dafür genutzt, sondern ein unscheinbares Gebäude wenige hundert Meter entfernt.