Nahezu 100 Stände, zahlreiche Besucherinnen und Besucher und ganz besondere Gäste aus Frankreich: Der traditionelle Bauern- und Kunsthandwerkermarkt der Gemeinde Überherrn am 3. Oktober war auch in diesem Jahr ein besonderer Höhepunkt im Veranstaltungskalender. Der Tag der Deutschen Einheit bot dabei nicht nur den passenden Rahmen für einen abwechslungsreichen Markttag, sondern wurde zugleich zu einem Fest der deutsch-französischen Freundschaft und des europäischen Miteinanders.
Der Überherrner Bauern- und Kunsthandwerkermarkt zählt zu den größten Märkten seiner Art im südwestdeutschen Raum. Rund um den Markt präsentierten nahezu 100 Ausstellerinnen und Aussteller eine vielfältige Mischung aus regionalen Spezialitäten, kulinarischen Angeboten, Getränken, selbstgemachten Produkten und hochwertigem Kunsthandwerk. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten den Feiertag, um über den Markt zu schlendern, Neues zu entdecken, regionale Produkte zu genießen und miteinander ins Gespräch zu kommen.









Eine besondere Bedeutung erhielt der Markt durch die Gäste aus Frankreich. Die Gemeinde Überherrn durfte erneut ihre langjährigen Freunde aus L’Hôpital begrüßen. Bereits seit 1968 verbindet die beiden Gemeinden eine enge Partnerschaft, die durch regelmäßige Begegnungen, gemeinsame Veranstaltungen, Vereine, Schulen und persönliche Freundschaften mit Leben gefüllt wird.
In diesem Jahr gab es zudem eine Premiere: Erstmals waren auch Gäste aus Ailly-sur-Noye, unserer Partnergemeinde aus der Picardie, beim Bauern- und Kunsthandwerkermarkt zu Gast. Nach einem gemeinsamen Besuch in Ailly-sur-Noye im Sommer konnten die französischen Freunde nun ein Wochenende lang Überherrn und die Region kennenlernen.
So kamen am 3. Oktober Menschen aus Überherrn, L’Hôpital und Ailly-sur-Noye zusammen – und machten den Markt zu einem Ort gelebter europäischer Freundschaft.
Dass die Begegnung ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit stattfand, verlieh dem Wochenende eine besondere symbolische Bedeutung. In ihren Ansprachen erinnerten die Bürgermeisterin und Bürgermeister daran, welchen Weg Europa und insbesondere Deutschland und Frankreich in den vergangenen Jahrzehnten zurückgelegt haben.
Pierre Durand, Bürgermeister von Ailly-sur-Noye, blickte auf die deutsche Wiedervereinigung und die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen zurück. Freiheit, Demokratie, Frieden und Versöhnung seien Werte, die nicht selbstverständlich seien und die es gemeinsam zu bewahren gelte. Dabei schlug er die Brücke von der großen europäischen Geschichte zu den Partnerschaften vor Ort. Die deutsch-französische Freundschaft entstehe schließlich nicht nur in den Hauptstädten, sondern auch in den Gemeinden: „Sie entsteht, wenn Familien einander aufnehmen. Sie entsteht, wenn Vereine sich treffen. Sie entsteht, wenn junge Menschen das Land, die Sprache und die Kultur ihrer Nachbarn entdecken.“
Auch Bürgermeister Emmanuel Schuler erinnerte an einen besonderen Moment in der Geschichte der Partnerschaft zwischen L’Hôpital und Überherrn. Vor 34 Jahren, am 3. Oktober 1992, trafen sich Vertreter beider Gemeinden im Europäischen Parlament in Straßburg. Dort wurde L’Hôpital gemeinsam mit weiteren französischen Gemeinden das Ehrendiplom der „Europäischen Stadt“ verliehen – als Anerkennung für das Engagement für die Annäherung der Völker und die europäische Städtepartnerschaft.
Heute, 34 Jahre später, stand Schuler als Bürgermeister von L’Hôpital erneut gemeinsam mit den Freunden aus Überherrn auf einer Veranstaltung am Tag der Deutschen Einheit. Für ihn ist die langjährige Verbindung mehr als eine Tradition: „Die deutsch-französische Freundschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis eines Willens.“
Auch unsere Überherrner Bürgermeisterin Anne Yliniva-Hoffmann betonte in ihrer Ansprache, dass Europa vor allem durch die Menschen vor Ort erlebbar werde. Die zahlreichen Begegnungen zwischen Überherrn und L’Hôpital in diesem Jahr – von der erneuerten Schulpartnerschaft über gemeinsame Veranstaltungen bis hin zur Einweihung des Josef-Ley-Weges – seien Ausdruck einer lebendigen Partnerschaft. Auch die Verbindung zu Ailly-sur-Noye habe sich weiterentwickelt. Gemeinsame Besuche und Veranstaltungen hätten neue Begegnungen ermöglicht und die Freundschaft zwischen den Menschen beider Gemeinden vertieft. Passend dazu griff die Bürgermeisterin ein Zitat des europäischen Wegbereiters Jean Monnet auf: „Wir verbinden nicht Staaten, wir verbinden Menschen.“ Auftritt Lorenz + Blechschmidt
Genau das wurde auf dem Bauern- und Kunsthandwerkermarkt sichtbar. Nicht abstrakte europäische Politik stand an diesem Tag im Mittelpunkt, sondern Menschen, die sich kennen, miteinander sprechen, gemeinsam feiern und Freundschaften pflegen. Die heutigen selbstverständlichen Begegnungen über die Grenze hinweg waren keineswegs immer selbstverständlich. Die Geschichte Deutschlands und Frankreichs war über lange Zeit von Konflikten und Kriegen geprägt. Umso bedeutender ist der Weg, den beide Länder seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam gegangen sind.
Aus ehemaligen Gegnern wurden Partner, aus Partnerschaften entstanden Freundschaften. Und diese Entwicklung zeigt sich heute ganz konkret in den Beziehungen zwischen Gemeinden wie Überherrn, L’Hôpital und Ailly-sur-Noye.
Für Überherrn hat die Partnerschaft mit L’Hôpital dabei eine besonders lange Tradition. 2028 wird das 60-jährige Bestehen der deutsch-französischen Partnerschaft gefeiert. Bereits 1968 begannen Menschen wie Josef Ley und Albert Mutz damit, Brücken über eine Grenze zu bauen, die zuvor über Jahrzehnte hinweg Menschen getrennt hatte.
Diese Brücken weiterzuführen und an die nächsten Generationen weiterzugeben, war eine zentrale Botschaft des Tages.
Neben den politischen und historischen Gedanken kam natürlich auch das eigentliche Herzstück des Tages nicht zu kurz: der Bauern- und Kunsthandwerkermarkt selbst.
Zwischen regionalen Spezialitäten, liebevoll gefertigten Produkten und kulinarischen Angeboten blieb ausreichend Gelegenheit für Begegnungen und Gespräche. Der Markt zeigte einmal mehr, was ihn seit vielen Jahren ausmacht: Er verbindet Regionalität, Handwerk, Genuss und Gemeinschaft – und schafft einen Ort, an dem Menschen von Nah und Fern gerne zusammenkommen.
Dass dabei deutsche und französische Gäste gemeinsam über den Markt schlenderten, miteinander ins Gespräch kamen und den Tag feierten, passte ganz besonders zum Anlass.
So wurde der 3. Oktober in Überherrn nicht nur zu einem Tag, an dem die deutsche Einheit gefeiert wurde, sondern auch zu einem Tag, an dem europäische Einheit ganz unmittelbar erlebt werden konnte.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Ausstellerinnen und Ausstellern, unseren französischen Gästen aus L’Hôpital und Ailly-sur-Noye, den Partnerschaftsvereinen, der Arbeitsgruppe Altforweiler–Ailly-sur-Noye, den beteiligten Vereinen sowie allen Helferinnen und Helfern, die den Markt und das gesamte Wochenende mit viel Engagement vorbereitet und begleitet haben.
Ein besonderer Dank gilt auch allen Besucherinnen und Besuchern, die den Bauern- und Kunsthandwerkermarkt zu einem lebendigen und besonderen Feiertag gemacht haben.
Denn am Ende zeigte dieser 3. Oktober einmal mehr: Europa beginnt vor Ort – bei Begegnungen, Freundschaften und gemeinsamen Erlebnissen.
Oder, um es mit den Worten von Bürgermeister Emmanuel Schuler zu sagen: „Hier, in diesen menschlichen Verbindungen, bekommt Europa ein Gesicht.“ Und dieses Gesicht war am 3. Oktober in Überherrn ganz besonders vielfältig, herzlich und freundschaftlich.
Gerne schon mal vormerken: Am 1. Mai 2027 findet der nächste Bauern- und Kunsthandwerkermarkt in Überherrn statt. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen mit unseren Ausstellerinnen und Ausstellern, Besucherinnen und Besuchern und auf einen weiteren Tag voller regionaler Produkte, besonderem Handwerk und schöner Begegnungen.














